Es gibt kaum Informationen zu der Zürcher New Wave Band CITY VIBES. Die wenigen schriftlichen Zeugnisse, die existieren, stammen alle aus der Feder von Veit F. Stauffer (1959–2024)
ihrem Schlagzeuger. Veit spielte davor bereits Schlagzeug bei den Free-Rock-Duos RAZZIA (1975/76) und FEIFI & EDI (1977/78), bevor er im Februar 1979 auf die Mitglieder von CITY VIBES stieß. Helvetia war der erste Song, den er im Februar 1979 im Keller der Weinbergstr. 84 in Zürich von den CITY VIBES zu hören bekam, als er sich dort als Schlagzeuger bewarb. Sie hatten bereits vier Stücke erarbeitet und wollten (dem Zeitgeist entsprechend) so bald wie möglich eine Single EP veröffentlichen. Am Pfingstwochenende war es dann so weit und man fuhr zu Etienne Conod nach Kilchberg ins Sunrise Studio. „Helvetia….Helveetiiiaa“ hauchte Sänger Andi Czech (1956 – 2021) beim raffinierten Intro ins Mikrofon, und das Timbre seiner Stimme erinnerte Veit schlagartig an Tim Buckley, den er soeben seit Juni 77 in einer 18-monatigen Odyssee (auf der Suche nach allen 9 Alben von 1966 bis 74) mit zunehmender Bewunderung entdeckt hatte. Er schob den Gedanken aber wieder beiseite, da uns in dieser Zeit Bands wie WIRE, TALKING HEADS, TELEVISION, PATTI SMITH und PERE UBU beeinflussten.
Am 19. Mai fand die Fotosession für den Single-Umschlag auf dem Dach der Turnerstrasse 4 statt, in dem Haus wohnten einige der Bandmitglieder in einer WG. Die erste Formation bestand somit aus: Andi Czech am Gesang, Jürg “Hopi” Breitschmid an der Gitarre, Stascha Bader am Gesang & Gitarre (ehemals DOGBODYS), Rinalda Caduff am Bass, Veit Stauffer am Schlagzeug und Manuel Grütter am Saxophon. Ihr Sänger Andi Czech war eine markante Persönlichkeit. Sehr auffallend: sein dunkler Gesang beim antikapitalistischen Helvetia, zu einer neckischen Sologitarre im Stil der DIRE STRAITS. Mit einer betont freakigen Bühnenshow, inklusive Schminke und androgynen Fummels, eroberte die Studentengruppe mit tanzbarem Ska und New Wave die Herzen der aufkommenden Jugendbewegung.
Aneth Spiess (1954–2006), von FRAUENNERV kommend, ersetzte Rinalda Caduff (bis heute Schauspielerin und Musikerin) am Bass, am 10. Juli, am Tag als ihre 4 Track-Single EP „Helvetia“ erschien. Der gleichnamige Song wurde in der Sendung «Sounds» von Radio DRS heftig gespielt und gepusht. Mitte September 79 wurden sie vom bekannten Radiomann Francois Mürner zum Interview geladen, man traf sich in Aneth’s Kindergarten an der Plattenstraße. Das Interview geriet chaotisch und uneinheitlich, sie redeten alle durcheinander. Diese Anekdote endet damit, dass Aneth ihnen anschließend amüsiert eröffnete, ihre Kinder hätten dem Reporter beim Empfang gleich mal zwischen die Beine getreten. Es folgten Konzerte quer durch die Schweiz. Eine weitere lustige Anekdote zum Konzert im Restaurant Palme hat Stascha Bader; er oder Andi sagten immer am Anfang bei jedem Gig – Ready!?, als Veit von hinten ein präpariertes Ready-Muesli in die Luft warf, dass sich wie ein Konfettiregen über die Mitglieder der Band ergoss.
Sie spielten mit Fredi Flückiger am Schlagzeug den Song Muesch öppis tue für dis Glück aus der Feder von Paul Weixler im Musikpavillon im Platzspitz für den Film «Zwischen Betonfahrten» von Pius Morger und steuerten für den Film «Porno» des Jungfilmers Roger Ruggli die beiden Songs Geil und Love Love bei. Dazu noch Auftritte zum Theaterstück «ter fögi ische souhung» von Martin Frank am Theater Neumarkt in Zürich. Die Band ist zwischen Juni 1979 bis Februar 1980 rund ziebzehnmal aufgetreten. Laut einem Interview im Tagi vom 15. Februar mit Beni Vigne gaben sie am Tag darauf mit HERTZ und dem Transvestiten Raphael Marx, mit dem sie öfter aufraten, im Polyfoyer in Zürich ihr Abschlusskonzert. Zuweilen spielten sie hier unkonzentriert, mit Temposchwankungen oder Anfängerpatzern, aber die euphorische Stimmung im Publikum kommt voll rüber (siehe youtube). Ein Monat später erschien noch eine Kassette vom Konzert in einer Auflage von 100 Exemplaren.
Diese Aussage stimmt so nicht ganz, da sie am 26. Februar für die Sendung Schauplatz des Schweizer Fernsehen den Song MadagSKAr aufnahmen, den sie zwei Tage später playback in der Sendung präsentierten. Am 14. Juni spielten sie mit MOTHER’S RUIN und THE BUCKS noch einmal live, dies auf dem Platzspitz, zu der Veranstaltungsreihe «Rock uf de Strass». Ein bemahlter VW Bus mit offener Ladefläche diente den Bands für den Transport und Installation der Instrumente und Anlage. Hier aber mit Fredi Flückiger am Schlagzeug und zusätzlich Paul Weixler als Gastsänger. Obwohl Veit auch anwesend war (siehe Foto). Hopi ihr Gitarrist meinte noch im besagten Interview im Tagi: Im Vordergrund stehen einmal persönliche Argumente. Stascha möchte sich ausschliesslich seinem Studium widmen, er steht kurz vor der Abschlussprüfung. Auch der Rest der Gruppe fühlt sich gestresst, mit zunehmender Konzerttätigkeit wachsen die Probleme, sei es auf der Bühne, sei es im Privatleben, «So isches halt i dände 80er Jahre!»
Copyright Foto: Gertrud Vogler
Im Sommer 1985 fanden sich die CITY VIBES zu einem kurzen Comeback zusammen, mit etwa 10 Proben und interessanten Ansätzen, aber das Projekt verlief wieder im Sande. Veit schlug eine Tim Buckley-Coverversion vor und wählte Get On Top von 1972, möglicherweise der Funke für alle weiteren COMEBUCKLEY-Projekte. MadagaSKAr, damals im MSM Studio in Dietikon für den Auftritt in der Sendung «Schauplatz» aufgenommen und ihr bestes Lied, erschien 1986 auf dem Doppelalbum (Vinyl) «Definitiv», einer Bestandesaufnahme der Zürcher Musikszene. Am 16. Dezember 2001 gab es trotz allem noch eine Reunion, sprich, ein Auftritt im El Local in Zürich, jetzt zur CD – Taufe des «Definitiv» Samplers.
© 2026 Lurker Grand & Stascha Bader mit Textfragmenten von Veit Stauffer
Kontakt:
Stascha Bader aka Sex
stascha.bader@hotmail.com
Roli: Um 9 Uhr war ich Quasimodo, der Glöckner von Notre Dame. Um 25 nach 9 waren erst 5 Leute gekommen, die Billiete fehlten noch und ich sah den ganzen Abend bachab gehen. Ich fühlte mich den CITY VIBES, Patrick dem Zabi-Manager und auch Urs dem Geldgeber, dem ganzen Fest gegenüber verantwortlich. Ich musste Urs nicht überreden den Sponsor zu machen, an dem Abend in der Villa an welchem er mir von der Kabbala erzählte. Damals war auch noch vom Transvestiten-Künstler Raphael die Rede, der oft mit dem CITY VIBES auftrat. Er kam aber nicht (mir ist nicht ganz klar, was intern gelaufen ist). Dafür sang Urs den Schwulen-Schlager und Roger seine Liza Minnelli Playback zu einem Strip. Schliesslich kam die Sache doch noch ins Rollen. Er scheint, dass man mit dem Stütz noch rausgekommen ist (200 Bucks alleine für die schönen Plakate).
Wolfi: An jenem Abend hatte ich Broken English von Marianne Faithfull dabei. Geschminkt und japanisch frisiert (jemand sagte; du siehst aus wie Wotan). Zeigte ich mich vorher noch im Splügen. Lea liess mich Broken English über die Stereoanlage abspielen, das törnte die Splügen-Vibes sichtlich an, Kurt Wolf und ein jurassischer Freund fanden mich zu auffällig, es war halt noch nicht Fasnacht. Ein schöner Mief! Dafür swingte das Zabi, als ich nach ein paar Pernots dort aufkreuzte, umso mehr.
Roli: Die CITY VIBES finden, dass Zürich eine Provinzmetropole ist, wir auch. Immerhin gibt es dort den Paradeplatz und Konzerte mit plumpen antisemitischen Sprüchen von der Bühne (lese Rofä No 3, Seite 18 MISTERY ACTION und sehe auch Text von KRAFT DURCH FREUDE (Frauenunterdrückung)). Für harte Punks sind die VIBES zu lahm, keine eierquetschenden Pogos tobten im Zabi. Veit der Drummer der CITY VIBES sagt, (Tagi, 15. Feb Interview, ein Tag vor ihrem letzten Gig) das wichtigste bei den CITY VIBES bleibt nach wie vor das lustvolle musizieren.
Jim Morrison fand, dass die Stadt ein Kreis ist, mit Sex in seinem Mittelpunkt. So gesehen, versuchen die CITY VIBES zum Mittelpunkt zu gelangen. Sexual Fantasies, Helvetia the Bitch, Geil, Voulez vous une Massage, had d’hose velore…lauter schlifrige Lyrik. Damit berühren sie die Wunschproduktionen der Hörer, die immer noch wegen etwas ganz anderem Eintritte schütten, als sich dann ereignet. Auch die Konzertbesucher von LUDWIG VAN CO. träumen vom kosmischen Fick, während moderne junge Leute lieber bodenständigen Sex – Drogs – und Rock ’n’ Roll haben. Wie nahe kommen CITY VIBES diesen Wünschen? Normale St. Galler-Zabi-Szene. Schwarze Blocks aus Angst, die Genitalien im Schraubstock, starres Atemmuster. Aber an diesem Kostümfest mit den CITY VIBES waren einerseits die Schwulen, anderseits die Vampire, Hexen, Werwölfe am Ball. Der Liberation-Trip der Schwulen gemixt mit Traumzeit, now und Transformer Energie erzeugte die nötige Hitze, um die Verstand-Kristalle etwas einzuschmelzen. Die CITY VIBES gaben eine zusätzliche Portion Vibes, die halfen, um etwas mehr gehen zu lassen wie üblich.
© 1979 Roland Roth & Wolfi Steiger (aus der Stadtzeitung)
09. Juni 1979 City Vibes – Alte Fabrik, Bäretswil und Bauma, Neuthal (erstes Konzert, grad auch ein Doppelkonzert)
30. Juni 1979 Ratz, City Vibes – Besetzung Wasserwerkstr., Zürich
01. August 1979 City Vibes – Drahtschmidli, Zürich
03. September 1979 City Vibes – Aula Kantonsschule, Freudenberg, Zürich
10. November 1979 City Vibes – WG “Schönegg”, Wädenswil (eventuel schon Nachmittags?)
10. November 1979 City Vibes – Zabi, St.Gallen (sicher Abends)
12. November 1979 City Vibes, Martin Frank (Ter Fögi isch e Souhung – Premiere) – Klub Hey, Zürich
24. November 1979 City Vibes – Restaurant Palme, Zürich
08. Dezember 1979 City Vibes, Raphael Marx – Klub Entertainer, Zürich (Nocturne-Konzi)
15. Dezember 1979 City Vibes – Katakombe, Basel
21. Dezember 1979 City Vibes, Animels – Täfelifabrik, Aarau (1. Alpenanzeiger Soiree)
22. Dezember 1979 City Vibes, Bermuda Idiots – Täfelifabrik, Aarau (1. Alpenanzeiger Soiree)
12. Januar 1980 City Vibes, Hertz, Makossa – Drahtschmidli, Zürich (Erstes Low Budget Konzert)
08. Februar 1980 City Vibes, Martin Frank (Ter Fögi isch e Souhung) – Theater Neumarkt, Zürich
09. Februar 1980 City Vibes, Martin Frank (Ter Fögi isch e Souhung) – Theater Neumarkt, Zürich
16. Februar 1980 Hertz, City Vibes, Raphael Marx – Polyfoyer, Zürich (fast letztes Konzert von City Vibes)
28. Februar 1980 City Vibes – Sendung «Schauplatz», DRS, Zürich (playback)
14. Juni 1980 City Vibes, Mother’s Ruin, Bucks – Platzspitz, Zürich mit Vollversammlung («Rock uf de Strass»)
16. Dezember 2001 City Vibes mit Rinalda Caduff am Bass – El Local, Zürich (CD-Taufe «Definitiv» Sampler)
Artist: City Vibes
Title: Helvetia
Songs:Helvetia / Teenage Fantatasies // Walking / Dance Dandy
Media: EP“ Single
Released: 10. Juli 1979
Label & Cat. #:: PTM / 1979 – 06
Style: New Wave
Members: Andi Czech voc, Jürg “Hopi” Breitschmid guit, Stascha Bader voc-keyb-guit, Rinalda Caduff bass, Veit Stauffer drums, Manuel Grütter sax
Add. Info: Coverphotos by Pedro & Piti, recorded at Sunrise Studio.
City / State: Zürich /ZH
See also:
Artist: City Vibes
Title: Same (Live Polyfover 16. Februar 1980)
Songs: Walking / Lowdown (Wire) / Helvetia / Outdoor Miner / Mit Sich Elei / E-motions / Let Us All // De Schue / MadagSKAr / Dance Dandy / Teenage Fantasies / Anja / Geil / Love Love
Media: MC
Released: März 1980
Label & Cat. #: P.T.M. Productions 1980-03
Style: New Wave
Members: Andi Czech voc, Jürg “Hopi” Breitschmid guit, Stascha Bader voc-keyb-guit, Aneth Spiess bass, Veit Stauffer drums, Manuel Grütter sax
Add. Info: Edition of 100 copies, Livemixer: Urs Rageth. Live at Polyfoyer in Zürich on 16th of February 1980.
City / State: Zürich /ZH
See also:
Artist: City Vibes
Title: Helvetia
Songs:Helvetia / Teenage Fantatasies // Walking / Dance Dandy
Media: EP“ Single
Released: 10. Juli 1979
Label & Cat. #:: PTM / 1979 – 06
Style: New Wave
Members: Andi Czech voc, Jürg “Hopi” Breitschmid guit, Stascha Bader voc-keyb-guit, Rinalda Caduff bass, Veit Stauffer drums, Manuel Grütter sax
Add. Info: Coverphotos by Pedro & Piti, recorded at Sunrise Studio.
City / State: Zürich /ZH
See also:
Artist: City Vibes
Title: Same
Songs: Walking / Lowdown (Wire) / Helvetia / Outdoor Miner / Mit Sich Elei / E-motions / Let Us All // De Schue / MadagSKAr / Dance Dandy / Teenage Fantasies / Anja / Geil / Love Love
Media: MC
Released: März 1980
Label & Cat. #: P.T.M. Productions 1980-03
Style: New Wave
Members: Andi Czech voc, Jürg “Hopi” Breitschmid guit, Stascha Bader voc-keyb-guit, Aneth Spiess bass, Veit Stauffer drums, Manuel Grütter sax
Add. Info: Edition of 100 copies, Livemixer: Urs Rageth. Live at Polyfoyer in Zürich on 16th of February 1980.
City / State: Zürich /ZH
See also:rtiArti
Video Spätsommer 1980 auf dem Platzspitz
(Aus dem Film: Zwischne Bettonfahrten – Pius Morger)
Dandy Dance
Helvetia
Teenage Fantasie
Walking